Bei den allermeisten Teilnehmern an einem Auslandsstudium überwiegt wohl der Drang, etwas Neues kennenzulernen. Eine andere Sprache zu sprechen und in einer anderen Kultur zu leben kann schon sehr interessant sein. Dazu kommt noch, daß gerade in den USA i
n vielen Bereichen die Universitäten besser ausgestattet sind und daher bessere Bedingungen für ein effektives Studium bieten. Man lernt auch das in vielen anderen Ländern übliche Bildungssystem kennen, bei dem nach zwölf Jahren High-School ein College f
olgt und dann nach schon vier Jahren ein Abschluß (genannt Bachelor), der in Deutschland weitgehend unbekannt ist. Wer dann noch weiter studiert, der ist ein sogenannter Graduate Student. Je nach eingeschlagenem Weg führt dies zum Master's Degree (verglei
chbar mit unserem Diplom) oder dem PhD. (entspricht dem Doktortitel). Allerdings erschöpft sich der Reiz, in einem fremden Land zu leben, natürlich nicht in dem anders gestalteten Bildungssystem und es liegt daher bei vielen von vornherein in der Absicht,
den neuen Aufenthaltsort als Ausgangspunkt für kleinere und größere Reisen zu nutzen. Wann bekommt man schon mal die Chance für ein ganzes Jahr auf einem anderen Kontinent zu leben?
Es sind natürlich auch ein paar Anstrengungen im Vorfeld mit einem anschließend reibungslosen Ablauf des Aufenthaltes verbunden. Das erste Problem ist, ein Programm zu finden, mit dem man in das gewünschte Land, in die gewünschte Stadt und am besten noch
an die Lieblings-Uni kommt. Andersherum mag das etwas einfacher sein, nämlich indem man sich unter den bestehenden Programmen das aussucht, welches den persönlichen Vorlieben am nächsten kommt. Dann muß man nur noch die Teilnahmekriterien erfüllen und in
den stattfindenden Auswahlveranstaltungen am Ende noch dabei sein.
Das ist alles viel einfacher, als es sich die meisten jetzt vorstellen. Da internationaler Austausch von Studenten stark gefördert wird, der Andrang aber nicht sehr groß ist, ist es nur eine Frage des Durchhaltevermögens, ein geeignetes Programm zu finden
.
Als ich in dieser Situation war, das Vordiplom in Physik in der Tasche und die nächsten Vorlesungen liefen schon wieder, hatte ich schon von dem bestehenden Austauschprogramm des Fachbereichs Physik der JLU mit der University of Washington (UW) in Seattle
gehört. Ich war mir aber nicht sicher, ob ich mich bewerben sollte. Mein Abschluß würde sich verzögern, ich müßte Freunde und Familie zurücklassen und in einer ganz fremden Umgebung, mit fremder Sprache, an einer anderen Uni wieder Fuß fassen. Das erschi
en doch recht ungewiß. Auf der anderen Seite kannte ich Seattle von einem kurzen Besuch in den USA und wußte, welche Landschaft die Stadt umgibt. Und außerdem hat jeder auch schon mal von Seattle als der Geburtsstadt des Grunge, des Sitzes von Microsoft u
nd Boeing oder Heimatstadt der Sonics mit Detlef Schrempf gehört oder sogar Tom Hanks in "Sleepless in Seattle" gesehen. Letztlich haben die USA doch auch immer noch einen Touch von Freiheit und Easy Going. Zu alledem kamen Gespräche mit ehemaligen Teilne
hmern, die fast alle das Jahr in Seattle als den Höhepunkt des Studiums bezeichneten und in den höchsten Tönen die Uni dort lobten. Es ist allgemein wohl das Beste, sich bei Leuten zu informieren, die aus eigener Erfahrung berichten können.
Ich informierte mich also ein wenig über die UW, die Stadt Seattle und alles was ich sonst noch im Internet dazu finden konnte. Daraufhin bewarb ich mich schließlich im fünften Semester bei Professor Mosel (Institut für Theoretische Physik I) um eine Teil
nahme an dem Austauschprogramm. Spätestens bei der Zusage waren dann alle Bedenken verflogen und das Ziel, nach dem sechsten Semester etwas Neues zu erleben, war regelrecht beflügelnd. Während des Semesters mußte aber noch das eine oder andere Formular au
sgefüllt, so manches Amt aufgesucht und immer wieder Emails und echte Briefe nach Amerika geschickt werden. Da die Kooperation der Universitäten aber schon seit 1981 besteht und auch einige ehemalige Teilnehmer dem Gießener Institut für Theoretische Physi
k I angehören, ist die nötige Erfahrung vorhanden, um die Formalitäten reibungslos abzuwickeln.
Als dann das sechste Semester in Gießen so einigermaßen beendet war, konnte es Anfang August '97 endlich von Frankfurt aus nach Seattle gehen. Nun waren noch mehr als sechs Wochen Zeit, um Wohnung zu suchen, Formalitäten an der Uni zu erledigen und sich a
n das Land zu gewöhnen, bevor es mit dem Studium in den USA losging. Die ersten beiden Punkte waren nach knapp einer Woche erledigt, was genügend Zeit ließ, um das Land kennenzulernen. Wir (Gießen hat vier Austauschplätze an der UW, doch dazu später) hatt
en den Abflug verständlicherweise extra so gelegt, daß wir den Sommer in Seattle noch genießen konnten. Die USA sind, wie man ja aus Kinofilmen weiß, gar nicht so verschieden von Deutschland, so daß es also nicht wirklich einer langen Eingewöhnung bedarf.
Seattle liegt im Nordwesten der USA. Es liegt zwar am Meer, ist aber durch eine vorgelagerte Halbinsel nicht direkt an der Pazifikküste. Zum Landesinneren ist es von einer vulkanischen Bergkette umgeben, den Cascade Mountains. Man kann sich also leicht di
e Möglichkeiten zum Camping, Hiking, Climbing, Segeln, Skifahren und noch vielem mehr ausmalen.

Der Staat Washington ist der nordwestlichste der US-Bundesstaaten (abgesehen von Alaska). Die Vielfalt an Landschaften ist wohl in keinem anderen Bundesstaat so reichhaltig. Im Osten von Washington hat man eine Landschaft und ein Klima, das an die spanisc
hen Pyrenäen erinnert. Bis weiter in den Westen zieht sich von Norden nach Süden, auf der gesamten Länge des Staates die schon erwähnte Cascade-Kette, mit den höchsten Gipfeln Mt. Baker, Mt. Rainier und Mt. St. Helens. Mt. Rainier überragt mit 4395m alle
ihn umgebenden Berge um fast 2000m und wird deshalb von den Seattelites (Bewohner Seattles) einfach nur als der Berg bezeichnet, nicht zuletzt deshalb ist er ein Wahrzeichen der Stadt. Auf Mt. Baker befindet sich ein Ski-Gebiet, zu dem im Winter auch von
der Uni Ausflüge angeboten werden; und in der Umgebung von Mt. St. Helens kann man die Auswirkungen des Ausbruchs von 1980 noch heute sehen. Seattle hat mehrere große Seen und wird im Westen begrenzt durch den Puget Sound. Der Puget Sound ist im Norden mi
t dem Pazifik verbunden. Von Seattle aus kann man mit Fähren auf die vor Seattle im Puget Sound liegenden Inseln fahren und dort die Häuser der Großverdiener aus Seattle bewundern. Michael Douglas wohnt in dem Film "Disclosure" (Enthüllungen) auf einer d
ieser Inseln.
Fährt man noch ein Stück weiter in den Westen, so erreicht man die Olympic Peninsula, auf der der Olympic National Park liegt. Hier findet man felsige Pazifikstrände mit bizarren Inseln im Ozean, die Olympic Mountains, die schroff und felsig in die Höhe r
agen und auch von Seattle aus zu sehen sind und einen beeindruckenden Regenwald.
Auch Seattle ist als Stadt sehenswert. Seattle selber hat ca. 600.000 Einwohner, mit der weiteren Umgebung (Puget Sound Area) sind es etwa 3 Mio. Die Stadt ist noch sehr jung, weniger als 150 Jahre alt und beherbergte 1962 die Weltausstellung. Von dieser
stammt auch das in dem Schriftzug der Sonics (Basketball Team) enthaltene Wahrzeichen der Stadt, die Space Needle. Natürlich sind auch Baseball und Football in der Stadt beheimatet. Große Parks und Seen laden zum Sporttreiben ein, und Clubs mit Live-Musik
sorgen auch nachts für Unterhaltung.
Weiterhin gibt es auch Universitäten und Colleges in der Stadt, wobei die University of Washington (UW) die größte dieser Einrichtungen ist.
Damit bin ich bei dem Hauptanliegen dieses Artikels angelangt. Die UW ist im Westen der USA mit ca. 35.000 Studenten eine der größten Universitäten. Außerdem hat sie neben Stanford wohl den schönsten Campus im Westen der USA. Dies ist nicht ganz objektiv,
wird aber von vielen behauptet. Ausstattung, Anlagen und Möglichkeiten an einer solchen amerikanischen Uni sind für einen deutschen Studenten, der den chronischen Geldmangel an heimischen Hochschulen gewohnt ist, kaum faßbar. Die Gebäude werden wie auch
die Wege, Plätze und Grünanlagen mit unglaublichem Aufwand in Ordnung gehalten. Jede größere Uni in den USA hat diverse Uni-Teams, die in College-Leagues auf zum Teil nationaler Ebene an Sportwettkämpfen teilnehmen. Das wichtigste, weil teuerste, sind die
Football-Spieler, die auf dem Campus ein eigenes Stadion haben, welches weit über 70.000 (!) Sitzplätze hat. Danach kommt gleich Basketball, der in der Sporthalle mit mehr als 5.000 Sitzplätzen gespielt wird. Dann gibt es noch Baseball, Softball, Tennis
und vieles mehr.
Jeder Student hat die Möglichkeit, kostenlos eine sehr große Sportanlage zu benutzen. Sie umfaßt alles vom Schwimmbad über mehrere Basketball-Courts, Fitness-Räume, bis hin zu Badminton- und Volleyballfeldern. Es gibt einen Segelclub, einen Climbing-Club
und ein Judo-Team, um nur einige wenige Dinge zu nennen, die allen Studenten offenstehen.
Auch kulturell wird sehr viel geboten. Auf dem Campus befinden sich verschiedene große und kleine Theater, in welchen hauptsächlich Gruppen aus den Kunst-Fachbereichen der UW auftreten, aber auch Künstler aus aller Welt. Auch eine Kunstgalerie darf nicht
fehlen. Studenten wird der Eintritt natürlich entweder erlassen, oder er ist extrem niedrig.
Ein weiterer großer Unterschied zu deutschen Hochschulen stellt das Merchandising dar. Die Studenten haben vor einigen Jahren in einer Abstimmung beschlossen, daß die Farben der UW Gold und Purple sind. Das Maskottchen ist ein Husky, was alle Studenten zu
Huskies macht. Der Studentenausweis heißt daher auch Husky Card( und in allen Geschäften der weiteren Umgebung kann man Baseballkappen, Bekleidung, Bettwäsche und vieles mehr mit UW- oder Husky-Aufdruck kaufen. Dieser ganze Rummel steht in engem Zusammen
hang mit den Sport-Teams. Bei Sportveranstaltungen sieht man viele Fans von Kopf bis Fuß in Purple und Gold gekleidet und die Sprechchöre von den Tribünen rufen "GO HUSKIES !" - animiert von den Cheerleadern.
Man kann darüber geteilter Meinung sein, und den meisten deutschen Studenten entlockt es wohl ein Lächeln, wenn an jeder Ecke, wie z.B. im Supermarkt, "Go Huskies" zu lesen ist. Allerdings hat dies zur Folge, daß sich sehr große Teile der Studentenschaft
und auch der Bevölkerung mit "ihrer" Universität identifizieren und sich für sie einsetzen. Und am Ende des Jahres gab es wohl fast keinen Austauschstudenten, der nicht wenigstens ein T-Shirt von "seiner" Uni mit nach Hause genommen hat.
Aber auch der Uni-Alltag unterscheidet sich von Deutschland. In den USA ist das ganze System sehr verschult. Das akademische Jahr ist in Seattle in vier "Quarter" unterteilt und gegen Ende eines solchen Quarters muß man sich für die Kurse des nächsten ein
schreiben. Es ist dann in der ersten Woche möglich, noch Kurse abzuwählen. Anschließend muß man aber die gewählten Kurse durchziehen und dabei die erforderlichen Credits bekommen (je nach Aufwand erhält man eine bestimmte Anzahl Credits auf einen bestande
nen Kurs). Für Graduate Students waren das 10 Credits, um als "Full Time Student" an der Uni eingeschrieben zu sein. Erreicht man diese nicht, so muß man dafür einen guten Grund haben, wenn man sich als Ausländer nicht Ärger mit der Einwanderungsbehörde e
inhandeln möchte. Das System erscheint vielen als recht unflexibel und übt einen ziemlichen Leistungsdruck aus. Allerdings ist die Ausführung des Ganzen, wie fast alles an der UW, ziemlich reibungslos und sehr gut automatisiert. Das Einschreiben erfolgt e
ntweder per Telefon, wobei man aber nur einen Computer anruft, um diesem die Kurswahl mitzuteilen oder gleich ganz per Computer im WWW (World Wide Web). Hier kann man dann auch gleich den kompletten Stundenplan ausdrucken, den der Computer zusammenstellt.
Das Einsetzen neuer Technologien ist in den USA eine Selbstverständlichkeit. Nicht nur daß der gesamte Campus vernetzt ist und den Studenten an vielen Stellen die neusten Computer zu Verfügung stehen, auch die Bibliotheken sind vernetzt, so daß man via WW
W auf alle Gesamt- und Fachbibliotheken zugreifen kann.
Die Verwaltung steht dem in nichts nach. Die Husky Card( ist nicht nur Studentenausweis, sondern auch Busfahrkarte, Bibliotheksausweis und zum bargeldlosen Bezahlen in der Mensa verwendbar.

Das Physics Department der UW ist eines der neusten Gebäude auf dem Campus (etwa fünf Jahre alt). Es wurde von dem bekannten Architekten Cesar Pelli entworfen und ist dementsprechend schön gestaltet. Die Bibliothek ist im sechsten Stock untergebracht, mit
Designermöbeln ausgestattet und sehr umfangreich. Man hat von dort den schönsten Ausblick des gesamten Campus auf die Umgebung. Wieso das so wichtig ist, wird schon im ersten Quarter ziemlich schnell klar. Die Anforderung, zehn Credits zu erreichen, bede
uten im Vergleich zu Deutschland einen erheblichen Mehraufwand. Man verbringt viele Stunden in der Bibliothek, wenn man die umfangreichen Hausaufgaben macht und die verlangte Literatur liest. Dank des Schlüssels, den man für das Gebäude und die Bibliothek
erhält, kommt es nicht selten vor, daß man auch nach Mitternacht noch dort sitzt und rechnet, aber man ist selten alleine . . .
Amerikanische Professoren erwarten, daß man die in der Vorlesung verwendeten Bücher kauft und ergänzend dazu liest. Die Studenten tun dies, ohne sich über die zum Teil recht hohen Kosten zu beschweren. Auch an den sehr großen Arbeitsaufwand ist jeder gewö
hnt. Dazu kommt noch, daß amerikanische Studenten fast nie Hausaufgaben in Gruppen erledigen oder gar, wie es hier bei uns ja nicht ungewöhnlich ist, abschreiben. Dies ist einerseits zwar eine Art "Ehrencodex", verhindert aber andererseits das auch von Pr
ofessoren immer wieder angeregte Teamwork.
Diese von Zuhause verschiedene Arbeitsweise kann am Anfang der Studienzeit dort schon eine Herausforderung darstellen. Leicht fällt es wohl den meisten nicht, in den ersten Wochen große Mengen an Hausaufgaben zu bewältigen, das Zusatzmaterial zu den Vorle
sungen zu lesen und dabei noch die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten. Hierbei ist es sehr gut, wenn man mit Leuten, die in derselben Situation sind, reden kann. Im Physics Department ist das schon durch die anderen deutschen Austauschstudenten gegeben
. Weiterhin gibt es an der UW eine sogenannte "Non-Profit" Organisation mit dem Namen FIUTS (Foundation for International Understanding Through Students). Diese organisiert schon vor Beginn des Studienjahres Gastfamilien für alle internationalen Studenten
, die dies für die ersten beiden Wochen wünschen. Auch Informationen zur Wohnungssuche, organisatorischen Abläufen usw. sind dort zu bekommen. Bevor die Vorlesungen beginnen, gibt es ein Wochenendcamp und eine Einführungswoche für alle neuen international
en Studenten. Hier treffen sich ca. 300 Studenten aus aller Welt, und man kann so schon bevor es richtig losgeht einen Freundeskreis in der "fremden Stadt" finden.
Durch das ganze Jahr hindurch findet dann der FIUTS-Wednesday-Lunch statt, der allen Studenten offensteht und zum Austauschen der Erfahrungen und Probleme, sowie natürlich auch dem Smalltalk dient.

Weiterhin werden für FIUTS-Mitglieder Fahrten und Veranstaltungen organisiert. Jedes Jahr stehen Wochenendtrips zu den San Juan Islands, Vancouver, Mt. Rainier, Olympic Peninsula und vieles mehr auf dem Programm. Mit interessanten Menschen kann man so die
Umgebung Seattles kennenlernen, ohne dabei auf ein eigenes Auto und Hotel- oder Campingplatzführer angewiesen zu sein.
In dieser Gemeinschaft internationaler Studenten kann man sehr viel über andere Kulturen und das Leben anderer Menschen aus erster Hand lernen und sieht so eventuell auch das eigene Land mit anderen Augen, wenn man wieder Zuhause ist. Ein ganz wesentliche
r Teil der sehr positiven Erinnerungen an den Auslandsaufenthalt ist eng mit den "Internationals" verknüpft. So ist auch ein Großteil der entstandenen Freundschaften mittlerweile in viele Länder verstreut.
Nach meinem Aufenthalt in den USA kann ich nur jedem, der die Chance hat, empfehlen, an einem solchen Programm teilzunehmen. Es war mit Sicherheit nicht immer nur einfach in dem sehr leistungsorientierten Hochschulsystem der USA zu studieren und auch der
für Seattle so typische Regen ist im Winter nicht gerade aufbauend. Insgesamt war das Studium dort aber durch mehr Möglichkeiten und besser ausgestattete Einrichtungen geprägt, die man nach der Rückkehr sehr vermißt. Hinzu kommt natürlich die Landschaft u
nd das mildere Klima.
Durch die begrenzte Dauer des Aufenthaltes, Zuhause gilt diese Zeit als Urlaubssemester, fällt es leichter, sich auch mal Themen zu widmen, die man nicht für vorgeschriebene Scheine benötigt. Das Angebot unterscheidet sich in der Physik zum Teil erheblich
von dem in Gießen. Als Beispiel hierfür sei die in Deutschland wohl nicht übliche Unterrichtsform, Independent Studies, erwähnt. Dazu wählt man ein Thema, alleine oder in einer kleinen Gruppe, und fragt einen Professor, ob er bereit wäre über dieses Them
a einen solchen Independent Studies Kurs zu machen. In wöchentlichen Treffen geht man dann mit dem Professor ein Textbuch oder Veröffentlichungen zum Thema durch, kann sofort nachfragen und so in sehr persönlicher Betreuung auch schwierige Sachverhalte ve
rstehen.
Zum Schluß noch einige Bemerkungen zu dem Gießener Austauschprogramm: Durch die Kooperation mit der UW ist es möglich, daß diese jedes Jahr vier Studienplätze mit Tuition Waiver für Gießener Physikstudenten zur Verfügung stellt, d.h. es werden die sonst ü
blichen Studiengebühren erlassen (in 1997/1998 waren es 12.966$). Weiterhin wird der Aufenthalt durch ein Teilstipendium des DAAD gefördert, welches zumindest die Mehrkosten, die der Auslandsaufenthalt mit sich bringt, abdeckt. Als DAAD-Stipendiaten gehör
ten wir unter den deutschen Austauschstudenten zu einer privilegierten Minderheit. Im Physics Department der UW trifft man sowohl auf ehemalige Teilnehmer aus Gießen, die aus verschiedenen Gründen in Seattle sind als auch auf amerikanische Studenten, die
als Teilnehmer an dem Austausch in Gießen waren. Auch Professoren fragen durchaus einmal, wie es denn dem einen oder anderen Gießener geht. Dies zeigt auch, daß die Zusammenarbeit der beiden Physik-Fachbereiche schon viele Jahre gepflegt wird.
Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Fachbereichs Physik unter
http://www.physik.uni-giessen.de/fb/studium/ausland/seattle/index.html
oder bei Professor Mosel (
mosel@theorie.physik.uni-giessen.de),
bzw. dem Autor (
mkeil@theorie.physik.uni-giessen.de).